Mit 65 – ist noch lange nicht Schluss…

 
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 Firmeninhaber Andreas Scherrer verabschiedet Hugo Stofer und Werner Brunner in den Fast-Ruhestand.

Die magische Zahl hundert haben sie knapp verfehlt, die beiden Werkzeugmacher Hugo Stofer und Werner Brunner, die am Dienstag von der Firmenleitung und Belegschaft der Büchler Reinli + Spitzli AG in den etwas ruhigeren Stand verabschiedet wurden. Aber 99 Jahre Betriebszugehörigkeit haben sie zusammen geschafft. Was auf Anhieb besonders scheint, ist für Firmeninhaber und Geschäftsleiter Andreas Scherrer nichts Aussergewöhnliches. «Seit ich im Jahr 2008 die Firma Büchler Werkzeugbau AG übernommen habe, wurden alle Mitarbeitenden nach 40 oder mehr Dienstjahren pensioniert.» Scherrer kennt die meisten von ihnen seit der Jugend. Er selbst hat bei Büchler gestiftet, ist seit 33 Jahren im Unternehmen tätig und somit langjähriger Wegbegleiter der Pensionäre. «Solche Leute», sagt er, «kann man nicht einfach so ziehen lassen.»

Engagement bleibt erhalten

Entsprechend wird jeweils ein kleines Betriebsfest ausgerichtet: alle 75 Mitarbeitenden, aber auch Ehemalige sind stets geladen. So, wie am Dienstag in die Remise des Flawiler Ortsmuseums. Bei Grillwurst und Kartoffelsalat wurden die Pensionäre (nur) offiziell verabschiedet. Denn, beide werden «ihrem» Betrieb – in Anlehnung an den Songtext von Udo Jürgens «Mit 66 Jahren… – nicht abschliessend den Rücken drehen. Werner Brunner arbeitet gerade einmal einen halben Tag weniger als früher. Manchmal ein bisschen viel, wie seine Ehefrau augenzwinkernd findet. Brunner, der seine Ausbildung als Werkzeugmacher einst bei der Firma Bühler in Uzwil absolviert hat, war bei der Büchler Reinli + Spitzli AG als Monteur beschäftigt.

«Vor 45 Jahren habe ich hier meine erste Stelle angetreten und bin nicht mehr weggekommen», sagt Hugo Stofer, der Formenbau-Spezialist aus Ebersol. Auf ihn warteten nun diverse Hobbies und viel Arbeit rund ums Haus und im Wald, sagt er. Ergänzt aber, dass auch er – bei Bedarf – weiterhin im Betrieb tätig sein werde: «In beratender Funktion oder wenn es um knifflige Reparaturen geht.»

Rote Wangen: das Stop-Signal

Andreas Scherrer hob in seiner Würdigung den Wert des Know-hows, aber auch die Fachkraft seiner älteren Angestellten hervor. Im heutigen wirtschaftlichen Umfeld seien Fachleute essenziell. Deshalb geniesse auch die Ausbildung einen hohen Stellenwert. Die Büchler Reinli + Spitzli AG bildet aktuell 16 Lernende in drei Berufen aus.

Einige Episoden aus den gemeinsamen Berufsjahren liess sich Scherrer dann aber doch entlocken. Zum Beispiel, dass Hugo Stofer rot anläuft, wenn es genug ist. Dann beendete der Chef seltsam zügig den offiziellen Teil. Ist etwa Farbe in Stofers Gesicht gestiegen…?

Quelle: wilerzeitung.ch – Andrea Häusler
Erstellt am 2 Juli 2015 in News | Kommentare deaktiviert für Mit 65 – ist noch lange nicht Schluss…